Systemanforderungen laut Hersteller: Mindestens Pentium 166 Mhz oder kompatibel - Windows95/98 mit 16 MB Ram - 8x CD-Rom-Laufwerk - 70 MB Festplattenspeicher - 2 MB Grafikkarte - DirectX kompatible Soundkarte - Windows95/98 kompatible Maus - DirectX 7  Fazit
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Rezension

Fazit:  

Avalon Hills Diplomacy ist eine wunderschöne und detailreiche Umsetzung des bekannten Brettspieles. Neben dem originalen Regelwerk stehen dem Spieler interessante Varianten zur Verfügung. Die Spielbarkeit ist, bis auf die fummelige Verhandlungsrunde, einfach in der Handhabung und sehr gut gelungen. Die K.I. hat einen sehr schwachen Eindruck auf mich hinterlassen, so dass längerfristiger Spielspass sicher nur durch die Mehrspielermodi gewährleistet sein wird. Alles in allem bringt Diplomacy aber eine Menge Spass, da es einfach einem geniales Spielprinzip zu Grunde liegt. Die Komponente des Verhandelns birgt doch immer wieder Überraschungen und unerwartete Wendungen in sich und zwingen den Spieler zum Überdenken der bisherigen Strategie. Also Freunde der Diplomatie, der gebrochenen Bündnisse und nicht gehaltenen Ehrenworte, hier dürft Ihr mal so richtig loslegen....(Manchmal ist es eben doch besser, wenn die Spielpartner einem nicht direkt an einem Tisch gegenüber sitzen, sondern irgendwo in der Weite des Internets, vor Wut über Ihre gelungene Intrige, auf die Tastatur prügeln. Das schöne Spielbrett jedenfalls, kann nun nicht mehr vom Tisch gefegt werden... ;-)



Rezension: 

Diplomacy von Microprose ist die Umsetzung des gleichnamigen Brettspiels für den Computer. Mit Begeisterung spielte ich vor Jahren das Brettspiel, doch leider zeigte sich, das im Freundes- und Bekanntenkreis nicht immer ausreichend Mitspieler für dieses gelungene Spiel zu finden waren. Nun endlich verspricht die PC-Version Abhilfe, da Diplomacy im Netzwerk (TCP/IP oder IPX), über Internet, serielle Verbindung oder auch im sog. "Hot-Seat"-Modus spielbar ist. Besonders gelungen ist die gesamte Präsentation von Diplomacy. Das kurze Filmchen, mit Videoschnipseln aus der Zeit um den ersten Weltkrieg, welches einem zu Beginn an die Pupillen dringt, macht Appetit auf Diplomacy. Die Grafiken im Spiel sind allesamt schön gezeichnet und mit unaufdringlichen Details verziert. Spieler, die mit den Regeln des Spieles nicht vertraut sind, werden in Form eines Tutorials soz. "an die Hand genommen" und können die Spielzüge und Verhandlungen zu Übungszwecken durchexerzieren, so dass sie nicht gleich ins kalte Wasser springen müssen. Das ist eine feine Sache, denn praktische Übungen bringen nicht nur mehr Spaß, als das Lesen des Handbuches, sondern machen dem Benutzer die Abläufe auch wesentlich einfacher begreiflich. Zur Ehrenrettung des bedruckten Papieres, in Form des komplett in deutsch beiliegenden Handbuches, erwähne ich aber hiermit noch, das auch dort keine Fragen offengelassen werden und alle Einzelheiten detailliert und bebildert beschrieben werden. Vor dem eigentlichen Spiel sollte man die Voreinstellungen seinem persönlichen Geschmack anpassen. Nicht nur "Scroll-Tempo", Musik- und Effekt-Lautstärke sind modifizierbar, sondern auch Grafik (Animationen und Filmsequenzen: Ja oder nein) und Kartensteuerung (Text und Overlays: ja oder nein). Selbst "Tipps" für Anfänger können eingeblendet werden, aber darauf kann der Alt-Stratege sicher verzichten. Nun bleibt die Frage, nach der Art des Spieles: Neben den bereits oben erwähnten Mehrspieler-Möglichkeiten kann Diplomacy auch per e-mail gespielt werden oder natürlich alleine gegen den Computer. Die bekannten sieben europäischen Mächte der letzten Jahrhundertwende, als da sind: England, Frankreich, Italien, Deutschland, Österreich-Ungarn, Rußland und die Türkei stehen zur Auswahl. Der Spieler entscheidet sich für eines dieser Länder und kann für die verbleibenden Nationen den Schwierigkeitsgrad (1 bis 3, in Form von Namen) festlegen oder aber auch Nationen durch die Option "Bürgerkrieg" ausnehmen. Schön das es neben den originalen Regeln auch jede Menge Varianten zur Auswahl gibt. Sogar ein Editor ist dabei, mit dem man das Spiel nach seinem Gusto verändern kann. Hat man alle seine Voreinstellungen beendet, kann ein Spiel beginnen. Der Spieler findet sich alsdann im Verhandlungsraum wieder und sieht sich den Staatenlenkern der anderen Nationen gegenüber, welche mit schicken Uniformen des jeweiligen Landes von einem geübten Auge auch ohne einen Blick auf die Staatsflagge erkannt und den Nationen zugeordnet werden können. Die Verhandlungen werden mittels Symbolen geführt, was für meine Begriffe ziemlich "fummelig" ist. Jedes Symbol hat gewisse Bedeutungen, wie : angreifen, nicht angreifen, Bündnis eingehen, kein Bündnis eingehen, bewegen, halten, Unterstützungsbewegung, Unterstützung halten, Konvoi, Vorstoß, neutrale Zone und Gerüchte. Man kann, durch klicken auf der sichtbaren Übersichtskarte, die schön und deutlich gezeichnet ist, dann den Verhandlungssymbolen auch Ländereien zuordnen, so dass die Angebote der Verhandlung auch auf diese Ländereien bezogen werden und somit einen Sinn machen. Selbstverständlich wird der Spieler auch Angebote (vom Computer oder den Mitspielern) erhalten und zur Übermittlung in eines der virtuellen Zimmer gebeten werden. Man kann diese Angebote annehmen oder ablehnen. Wie auch immer, ob man sich letztendlich an diese Absagen hält, bleibt dem Spieler überlassen. Es kommt schließlich darauf an als erste Macht den europäischen Kontinent zu dominieren und was bedeuten in der Machtpolitik schon Verträge, Abmachungen oder gar Ehrenworte? Nur der Sieg zählt und es bleibt dem diplomatischen Geschick des Spielers überlassen, wie er die anderen Parteien geschickt zu seinem Vorteil gegeneinander ausspielt. Allerdings sollte er selbst auch auf der Hut sein, da er selbst auch Opfer einer Intrige werden kann.....In der nächsten Phase werden die Armeen gesetzt. Das geht wunderbar einfach: z.B. Einheit anklicken - es erscheint ein Auswahlmenu - Auswahl treffen - in ein anderes Land bewegen - fertig. Sind alle Armeen mit Ordern versehen, geht es in die anschließende Phase der Konfliktauflösung. Die Auflösung der Konflikte wird in kurzer Zeit vom Computer erledigt, wozu hat man schließlich auch einen teuren Rechner? Nach einer weiteren Verhandlungsphase kommt es dann zu dem erneuten und für die Runde entscheidenden Zug. Alles was jetzt neu erobert wurde, verbleibt beim Land des Spielers und, handelt es sich dabei um die begehrten Versorgungszentren, so kann sich der Spieler über neue Truppen freuen. Versorgungszentren sind durch farbige Punkte markiert und bringen pro Zentrum einmalig eine neue Einheit: Armee oder Flotte (falls das Zentrum am Meer liegt). Nun zeigt eine übersichtliche Zusammenfassung die Gewinner und Verlierer der vergangenen Runde und schon geht es wieder weiter mit einer erneuten Verhandlungsrunde.... Verliert man allerdings diese wichtigen Versorgungszentren, dann wird man auch eine Armee bzw. Flotte abgeben müssen. Dreh- und Angelpunkt von Diplomacy sind also die Versorgungszentren. Je mehr man davon sein eigen nennen kann, desto mehr Armeen können unterhalten werden und desto stärker wird man werden. Sieger ist derjenige, der eine gewisse Anzahl dieser Versorgungszentren erobert. Die Anzahl, der zu erobernden Versorgungszentren kann, je nach Wahl einer Variante des Regelwerkes, unterschiedlich hoch sein. Die militärischen Auseinandersetzungen, die ja mit relativ wenigen Einheiten ausgefochten werden müssen, erfordern weitsichtige Planung und ohne Hilfe von Verbündeten werden die Ziele nur schwer erreicht werden können. Irgendwann kommt aber unweigerlich der Zeitpunkt, an dem ein bisher noch so fest geschmiedetes Bündnis gebrochen werden wird, denn: Nur eine Macht kann in Diplomacy als Sieger hervorgehen. Die Auswahl der Angriffsziele und das geschickte verschieben der Armeen und Flotten fördern das Denkvermögen und bringen unheimlich viel Spaß. Leider ist die K.I. in Diplomacy, zumindest für meine Begriffe, recht schwach. Bisher hat Kamerad Computer mich noch nie besiegen können. Die virtuellen Gegenspieler verhandeln zwar emsig und eifrig, doch was sie so auf dem Schlachtfeld zusammenschieben ist schon ziemlich daneben. Mag sein das sich Diplomacy dann eher für "neue Diplomaten" (sprich: Spieler, welche Diplomacy noch nie gespielt haben) eignet, als für so "alte Hasen" wie mich. Zum Glück - oder in weiser Voraussicht - wurden ja sämtliche Mehrspielermodi eingebunden, so dass zumindest erfahrenen Spielern die Suche nach Partnern für das Brettspiel jetzt abgenommen wurde. Mit der PC-Version von Diplomacy, einem Internet-Anschluß und dem nötigen Kleingeld für die Online-Kosten, sollten spannenden diplomatischen Duellen nun nichts mehr im Wege stehen.


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