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Fazit:  

"Dragoon - The Complete Battles of Frederick the Great" ist ein echtes, runden-basiertes wargame der "alten Schule" und bietet Spielern, die gerne lange an einem Szenario grübeln, eine Menge Spielspaß, sofern sie sich nicht an der veralteten Grafik und der kargen Geräuschkulisse stören. Mit 25 Szenarios ist für wochenlange Strategie-Knobeleien gesorgt und der Szenario-Editor eröffnet interessierten Spielern hier kreative Entfaltungsmöglichkeiten. BOKU-Strategy Games haben sich um historische korrekte Simulationen der Schlachten bemüht und ich muß sagen, es ist ihnen gelungen. Da die Zeitepoche des 18. Jahrhunderts in dem gesamten Genre "wargames" leider viel zu stark vernachlässigt ist, wenn man einmal von den zahlreichen "US-Bürgerkriegs-Spielen" absieht, stellt "Dragoon" wirklich eine schöne Erweiterung einer wargame-Sammlung dar und ist durchaus zu empfehlen. Das innovative Spielsystem, welches sich nach der Initiativfähigkeit des jeweiligen Anführers ausrichtet ist einer der Höhepunkte dieses Spiels.



Rezension:

Schnell noch Opas alte Marschmusik-Platten rausgekramt und nach dem dritten Male "Preußens Gloria" rieche ich förmlich schon das Schwarzpulver. Spaß beiseite, mit "Dragoon - The Complete Battles of Frederick the Great" erwirbt der Spieler ein wargame, das "nicht ohne" ist! Hier heißt es erstmal, sich in die Gegebenheiten des 18. Jahrhunderts zurück zu versetzen. Denn zu dieser Zeit kam es noch besonders auf echte Führungspersönlichkeiten an und die Offiziere standen in vorderster Front, um den wankenden Männern notfalls mit gutem Beispiel voran zu gehen, oftmals in den Tod. Die wichtigsten Einheiten bei diesem runden-basierten wargame sind denn auch die Anführer. Es gibt einen Oberbefehlshaber dem noch, je nach Szenario, eine unterschiedliche Anzahl von Korpsführern unterstellst sind. Diese Offiziere, welche natürlich historisch richtige Namen tragen, können den ihnen unterstellten Einheiten, innerhalb eines einblendbaren Bereiches, Befehle erteilen. Gekämpft wird mit Infanterie, leichter Infanterie, Kavallerie und Artillerie, wobei es wichtig ist die richtige Formation zur richtigen Zeit zu wählen. Für lange Märsche in denen nicht mit Feindberührung zu rechnen ist, ist die Marschformation sicher prädestiniert. Kampfformation sollte man doch tunlichst bei den häufig auftretenden Scharmützeln im Gefahrenbereich auch bei Bewegung beibehalten. Die Einheiten werden als bunt uniformierte, ein wenig an Zinnsoldaten erinnernde, Figuren, komplett in 2D und wenig animiert, dargestellt. Ebenso sparsam, wie mit den Animationen, ist man auch mit den Geräuschen, die hauptsächlich als energischer Gleichschritt, Pferdegetrappel und Kanonendonner an des Spielers Ohr dringen. An dieser Stelle sollte sicher gleich erwähnt werden, das die Graphik des Spieles insgesamt sicher nicht mehr dem Stand der Zeit entspricht und bei einem "Dragoon II", was hoffentlich einmal kommt, sicherlich deutlich verbessert werden sollte. Vielleicht gibt es dann ja auch mal eine Begleitmusik, so daß ich Opas alte Marschmusik-LP´s nicht immer im Hintergund laufen lassen muß. Ein nettes Introfilmchen, auf welches man bei "Dragoon" vergeblich wartet, ist sicher nicht unbedingt erforderlich, wertet ein Spielchen doch aber immer ein wenig auf, wenn es gut gemacht ist. Das spartanische Eingabe- und Reaktionssystem könnte ebenfalls ein wenig freundlicher gestaltet werden und mutet schon ein wenig vorsintflutlich an. Soviel zur konstruktiven Kritik, die sich zum Glück nur auf diese Dinge beschränkt. Das Spielprinzip ist erfrischend effektiv und spannend, denn es wird nicht stur der Reihe nach gezogen, sondern die Initiative wird von den jeweiligen Anführern ergriffen, so daß ein linearer Spielverlauf der Vergangenheit angehört! Diese realistische Eigenschaft des Spieles war eine wirklich freudige Überraschung. Jeder General oder Anführer ist unterschiedlich und daher wurde auch dieses Prinzip gewählt. Es läuft im Spiel dann so ab, das eine Partei beginnt und mit einem Anführer, den Truppen die ihm unterstellt und in seinem Befehlsbereich liegen, Befehle erteilt. Danach kann es durchaus sein, das nun ein gegnerischer Anführer an die Reihe kommt, obwohl noch gar nicht alle Einheiten der beginnenden Partei befehligt wurden. Man weiß also nie genau, wer als nächster die Initiative ergreifen wird. Es kann auch sein, das ein General, der weit von seinen Truppen entfernt ist, überhaupt keine Befehle erteilen kann. Die Bedeutung der Anführer kann man also gar nicht oft genug hervorheben. Meine Befürchtung, das ich vor lauter bunten Uniformen, meine eigenen Leute nicht mehr finden würde, war zum Glück völlig unbegründet, denn durch farbige Randmarkierungen weiß man sofort, welchen Einheiten man Befehle erteilen kann und welchen nicht. In den 25 Szenarios, die alle auf den tatsächlichen Schlachten Friedrichs des Großen beruhen, kann man nicht nur die Preußen wählen, sondern selbstverständlich auch die Armeen der Koalition befehligen oder gegen einen menschlichen Spieler antreten. Internet und PBEM-Spiele sind aber nicht möglich. Mit dem Szenario-Editor kann man sich sogar neue Karten erschaffen und eigene Schlachten entwerfen. Die Karte enthält zahlreiche Terraintypen, die sich nicht nur äußerlich unterscheiden, sondern auch Einfluß auf das Kampfgeschehen haben. Wird eine Einheit leichter Infanterie z.B. auf freiem Feld von feindlicher Kavallerie angegriffen, so wird nicht viel von ihr übrig bleiben. Ist die leichte Infanterie hingegen im Wald oder gar einem Fort verschanzt, so werden sich die Reiter an ihnen die Säbel stumpf hauen. Die taktischen Möglichkeiten sind also sehr zahlreich und man sollte die Terraintypen unbedingt berücksichtigen, will man mit Erfolg die durch Fahnen markierten Sieg-Hexfelder besetzen und auch halten. Zu diesen taktischen Möglichkeiten gehören natürlich auch Flankenangriffe oder gar das "in den Rücken fallen" der Gegner, was sehr effektiv ist. Die Ordnung und Disziplin einer Einheit spielen ebenfalls eine sehr wichtige Rolle. Sinkt die Moral, durch zu hohe Verluste, kann es zu panischer Flucht ganzer Einheiten kommen und wenn dann kein fähiger Offizier zum sammeln rufen kann, werden die Einheiten fluchtartig das Spielfeld verlassen. Eine in Unordnung befindliche Einheit ist in diesem Zusatnd auch nicht mehr zu vernünftiger Bewegung fähig, also muß der Spieler schon sehr genau abschätzen, wieviel er seinen Truppen abverlangen kann. Diese Vielzahl an Bedingungen und Möglichkeiten verleihen "Dragoon" die richtige Mischung für ein packendes und anspruchsvolles Strategiespiel. Das "häßliche Entlein" entpuppt sich somit als "stolzer Schwan"! Wem ein gut durchdachtes Spielprinzip lieber ist, als betörende Grafikeffekte und wer mehr Wert auf länger anhaltenden Spielspaß, als auf " Fünf-Minuten-Schlachten"  legt, dem sei "Dragoon - The Complete Battles of Frederick the Great" wärmstens empfohlen. Perfekt wäre natürlich, wenn Dragoon mit einer ansprechenden Grafik ala "Close Combat 3" aufwarten könnte und auch die Eingabemöglichkeiten und das scrolling modernisiert würden, aber mir persönlich ist es doch lieber ein vernünftiges Spielprinzip zu bekommen, anstatt mich mit sinnlosem Blendwerk auseinandersetzen zu müssen.


Hintergrund:  

Im Jahre 1740 marschierte König Friedrich II. von Preußen mit einem Heer von etwa 30.000 Mann in Schlesien ein, um den alten Ansprüchen der Hohenzollern auf dieses Land Geltung zu verschaffen. Österreich hatte es bisher immer wieder geschafft diese berechtigten Ansprüche abzulehnen und aufgrund seiner Stärke das kleine Preußen hier vor vollendete Tatsachen gestellt. Im ersten schlesischen Krieg gelang es Friedrich, durch Siege bei Mollwitz und Chotusitz, die Österreicher im Sonderfrieden zu Breslau 1742 zur Abtretung des größten Teils von  Schlesien zu zwingen. Österreich mußte sich nämlich noch gegen die Franzosen und Bayern wehren, welche bei der Gelegenheit ebenfalls Österreich angegriffen hatten. Nachdem Österreich mit Hilfe von Sachsen, Savoyen und Großbritannien nun diese Angreifer besiegt hatte, kam es von 1744 bis 1745 zum zweiten schlesischen Krieg. Wiederum siegte Preußen bei Soor und Hohenfriedberg, so daß im Friede von Dresden ganz Schlesien an das Königreich Preußen fiel. Im Jahre 1756 braut sich eine gewaltige Koalition gegen Preußen zusammen, die mit etwa 20 facher Übermacht das Königreich Friedrichs des Großen ein für alle mal vernichten wollte. Österreich, Frankreich, Rußland, Schweden, Sachsen und das gesamte Restreich Deutschlands, bis auf Hannover vereinigten sich gegen Preußen, welches nun im 7-jährigen Krieg um sein Überleben kämpfte,wobei England ihm half,da es mit Frankreich in den Kolonien Krieg führte. Friedrich der Große ergriff die Initiative und eroberte mit einem Präventivschlag Sachsen, was er zu seiner Operationsbasis machte. Einer der entscheidensten Siege gelingt ihm bei Leuthen gegen eine fast dreifach stärkere österreichische Armee, doch es gab auch die bittersten Niederlagen, wie bei Kolin oder Kunersdorf. Unter den Soldaten Preußens wuchs ein festes Zusammengehörigkeitsgefühl heran, da sie ja um die Existenz ihres Landes fochten. Sie waren fest entschlossen ihr Land zu schützen, zumal gerade die Russen auf brutalste Weise unter der Zivilbevölkerung wüteten und Städte wie Küstrin und Frankfurt/Oder brandschatzten, plünderten und die Menschen vergewaltigten. Wie durch ein Wunder schaffte es Friedrich der Große diesen 4-Fronten-Krieg bis 1762 durch zu stehen, wobei die Grenze der Belastbarkeit mehr als erreicht wurde. (75 % der Offiziere waren gefallen, so daß 13 bis 14 jährige Junker die Truppen führen mußten. Als Friedrich der Große einmal so einen 14 jährigen Knaben beim Versteckspiel im Lager entdeckte, fragte er ihn wie alt er denn wohl sei, da er noch so ein kindliches Spiel spielte.Der junge Offizier antwortete:"An Jahren, Sire, bin ich jung,aber mein Mut ist alt!"). Im Jahre 1762 zerbrach die Koalition gegen Preußen, da Rußland den Krieg beendete und Schweden, sowie Frankreich in Finanznot gerieten. Österreich mußte um Verhandlungen bitten. 1763 wurde zu Hubertusburg ein Status-Quo-Friede geschlossen, so daß Schlesien bei Preußen verblieb. Nun begann Friedrich der Große sein Land zu reformieren und schaffte als erster König die Leibeigenschaft ab und schuf ein Rechtssystem, vor dem jeder Landesbürger die gleichen Rechte hatte. Die einfachen Leute, also das Volk, jubelten und liebten ihren "Alten Fritz" überschwenglich. Es herrschte Religionsfreiheit und  Industrie, sowie Wissenschaft blühten auf.


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