Windows 95/98 - Pentium 133 oder höher - 2fach CD-ROM - 32 MB RAM - 200 MB auf der Festplatte. Fazit
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Rezension
Hintergrund

Fazit:

Campaign Eckmuhl ist für mich der beste Teil aus der Serie historische Kämpfe. Das mag wohl daran liegen, dass es einfach mehr Spaß macht mit großen Formationen zu kämpfen, als mit kleine Indianertrupps eine Miliz zu bekriegen. Die Fülle an Formationen gibt hier einfach den Ausschlag. Vor allem die neue Einhaltung der Ordnung ist sehr wichtig. Wer seinen Männern frei Hand lässt, d.h.  sie nicht in Ordnung hält, hat bald ein böses Erwachen. Ich kann jedem, der die Kämpfe dieser Zeit gerne nachspielt, dieses Spiel  ans Herz legen.

Ein kleiner Wehrmutstropfen ist die Grafik bzw. der Bewegungsablauf der Truppen. Die Musik stellte ich bereits nach ein paar Minuten ab und beschränkte mich auf den Sound. Leider findet man auch keinen Karteneditor der einem in weiterer Folge auch ermöglicht die Folgeschlachten von Aspern und Wagram nachzuspielen. Doch das soll meine Freude über das Spiel auch nicht trüben, denn ich habe schon eine Datei mit andere Fahnen entdeckt, die auf eine baldige Fortsetzung der Reihe schließen lässt.



Rezension: 

Rechtzeitig vor der Haupturlaubszeit, beschert HPS Simulations einen neuen Titel aus der Reihe „Historische Schlachten“. Wir erinnern uns ja noch an 1776 und 1812. Beide spielen ja auf dem Amerikanischen Kontinent. Jetzt kommt endlich „good old Europe“ dran. Mit Napoleonic Battles – Campaign Eckmühl eröffnet HPS Simulations die Schlacht um Europa zur Zeit der Napolionischen Kriege. Wer sich jetzt fragt, was das mit Eckmühl zu tun hat und nicht mit Austerlitz, Waterloo oder Jena, dem kann geholfen werden. Das Spiel dreht sich Rund um die österreichische Offensive im Raum Landshut – Ingolstadt - Regensburg im Jahre 1809. Damals griff die österreichische Armee unter Erzherzog Karl Napoleon an, der gerade in Spanien schwer zu tun hatte. Über den geschichtlichen Hintergrund erfährt Ihr mehr in der Sektion "Hintergrund" am Ende des Reviews. Doch vorerst zurück zum Spiel selbst.

Vom Aufbau und der Handhabung hat sich nicht wirklich viel getan. Ist das Spiel erst einmal installiert, so hat man die Wahl zwischen dem Hauptprogramm, welches einem zu diversen Schlachten führt, dem Feldzugmodus, der die Schlachten in einem bestimmten Ablauf durchspielen lässt, verschiedenen Editoren und dem Onlinehandbuch. Auch findet man eine Karte mit der Armeeaufstellung.

Ich wähle einmal den Feldzugmodus und starte eine neue Campaign. Schweren Herzens entscheide ich mich für die Französische Seite, würde es mich doch brennend unter den Fingernägel jucken als Österreicher Napoleon das Fürchten zu lehren und die Geschichte umzuschreiben. Als gegnerische K.I. wählen wir den Konservativen im Gegensatz zum Rücksichtslosen und klicke im Menü weiter.

Natürlich könnte ich auch ein Einzelszenario spielen, es stehen ja ca. 160 zur Auswahl.

Doch weiter im Feldzug:

Eine Situationsmeldung erscheint und zeigt uns die Standorte der Armeen und der Korps. Nachdem ich über alle Hintergrundinfos verfüge, erscheint im nächsten Fenster die bekannte Feldzugauswahl. Dabei hat der Spieler die Chance ein wenig strategisch in die Handlung einzugreifen. Soll der Franzose schnell zurückweichen, da sie hoffnungslos unterlegen sind, oder sollen sie noch abwarten und auf Verstärkung hoffen. Die Entscheidung fällt nicht schwer! Haltet den Feind so lange wie möglich! Ich werde die Österreicher bei der Isar empfangen. Bei Landshut sind Brückenübergänge, die bestens dafür geeignet sind, den Gegner aufzuhalten. Die Karte lädt und lässt mir vorher noch die Wahl zwischen manueller, Kommandoebene und Automatischer Schlachtenführung. Ich bin natürlich für die erste Wahl, um selbst alle operativen Befehle geben zu können. Würde ich mich für die Kommandoebene entscheiden, so könnte ich die Schlacht bei einem feinen Mahl mit goldenem Besteck vom Befehlshaberzelt verfolgen und meinen Korps und Divisionen einfach Befehle vorgeben. „II. Division – Rücksichtsloser Angriff in Richtung Nordwesten. IX. Korps hält die Stellung bis  zum letzten Mann etc.“  Natürlich kann ich jederzeit voll eingreifen und die Aktionen meiner K.I. unterbrechen. Doch meine spartanische Lebensweise zwingt mich dazu, mich mit den Waffen eines Feldherren auszurüsten und so nehme ich die Maus selbst in die Hand und klicke was das Zeug hält.

Die Karte offenbart uns auch nicht wirklich Neues, wenn wir mal von den Einheiten absehen. Das Menü zeigt seine Vielfalt, die Kenner der HPS-Reihen hinlänglich bekannt sind. Da steht sie, die Französische Linieninfanterie in voller Farbenpracht. Sieht schon recht beeindruckend aus. Besonders gut gefällt mir die Fahne die jede Einheit mitführt. Die Trikolore bei den Franzosen und die gelbe Habsburgerfahne mit dem schwarzen Doppeladler bei den Österreichern.

Ein kurzer Blick auf die Menüführung erfreut uns auch. Denn hier gibt es einige interessante Smarticons die wir uns mal schnell ein wenig genauer ansehen werden.

Wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns in der Hochblüte der Linearen Taktik befinden. Und da wir riesige Menschenmassen in Form von Einheiten bewegen müssen, gibt es verschiedene Formationen, derer man sich bedienen kann. Für die Infanterie sind das die Linienformation, die Kolonnenformation und das Quadrat. Ich denke die Formationen sprechen für sich. Linienformation erfordert höchstes Können und Disziplin der Soldaten, hat aber die beste Feuerkraft. Die Kolonne ist sowohl die Formation für den Marsch als auch die beste Offensivformation zum Stürmen. Das Quadrat ist eine ganz defensive Verteidigungsformation, die vor Reiterattacken schützt.

Wir dürfen nicht vergessen, dass eine Einheit nicht gerade klein ist. 600 bis 800 Mann stehen unter einer Fahne. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, wenn man in der Linienformation keine Bewegung ausführen kann, ohne die Truppe im Formationsaufbau und –haltung zu stören. Der Status „Disordered“ ist die Folge. Hat eine Truppe genügend Einheiten, so zeigt mir das Programm in Form der Shortenend Line Formation, dass eine Ausdehnung möglich ist. Dazu wähle ich den Befehl Extended Line Formation und spalte die Truppe in der Breite. Plötzlich wird aus einer Einheit mit 1100 Mann ein zweiter Block.

Doch die Infanterie bietet mir noch eine wichtige Formation an. Die Skirmish Formation, auch als Plänkler bekannt. Bestimmte Einheiten, wie zum Beispiel die Leichte Infanterie kann Einheiten aus Ihrer Formation herauslösen. Führt eine Einheit diesen Befehl aus, so lösen sich von der 700 Mann starken Truppe um die 150 Mann zu einer ungeordneten Formation. Diese kann man dann beliebig einsetzten. Bestens bewähren sie sich zum Blocken von Flussübergängen, Verteidigen von wichtigen Objekten und Stellungen, vor allem wenn Ihnen Gebäude als Schutz dienen. Diese Einheiten können in alle Richtungen feuern und sind sehr flexibel. So gelang es mir mit so eine Einheit 4 Versorgungseinheiten und einen General zu überfallen. Kaum hatte ich die Trecks in Besitz, als auch schon der Gegner den Todfeind der Plänkler heranführte, nämlich die Kavallerie. Diese kann die ungeordneten Einheiten oft mit einer Attacke völlig vernichten. Doch Reiter spielen auch wo anders eine wichtige Rolle. Denn wenn 700 schwere Reiter auf eine Einheit zustürmen, rutscht sogar dem tapfersten Veteranen das Herz in die Hose. Wer möchte kann die Skirmish Formation auch bei den Reitern einsetzen. Dann spaltet sich ein kleiner Teil der Reiter in eine Schwadron. Diese kann zur Aufklärung hervorragend eingesetzt werden. Doch zurück zur großen Reitereinheit.

Mit dem Icon „Charge“ erhält die Einheit den Befehl die Säbel zu zücken und drauflos zu stürmen, zwar kann man mit Reitern immer angreifen, doch verleiht einem diese zusätzliche Option besondere Werte im Kampf. Die Einheit büßt aber Bewegungsfreiheit ein. Der Chargebefehl kann sofort oder gar nicht gegeben werden. Deshalb muss die Einheit schon vorher in der richtigen Angriffsrichtung stehen. Nach dem  Befehl kann man keine Richtungsänderung mehr vornehmen. Die Kavallerie stürmt in geschlossener Formation.

Die letzte Einheit, neben den Befehlshabern und Versorgungseinheiten, ist die Artillerie. Diese kann in aufgeprotzten Zustand bewegt werden und im  abgeprotzten Zustand feuern. Einige Einheiten werden als Pferdeartillerie geführt, was Ihnen größere Mobilität einräumt, da die Bedingungsmannschaft auch auf Pferden sitzt. Auch Artillerieeinheiten können, wenn sie genügend Geschütze haben, Ihre Linie mit dem Befehl Extended Formation ausdehnen.

Im 2D-Modus haben sich die Darstellungen etwas geändert. Die Grafische Darstellung hat einer taktischen Zeichendarstellung Platz gemacht. Doch aufgrund der geringen Einheitsausprägungen in der damaligen Zeit ist das kein Problem. Noch gibt es keine Flugabwehr-, Panzervernichtungs- oder Pioniereinheiten. Ein X stellt die Infanterie dar, eine Diagonale die Kavallerie und eine rote Box die Artillerie. Die Wichtigkeit dieser Darstellung wird einem erst klar, wenn man die Zusätze betrachtet. Denn neben dem taktischen Symbol wird einem auch gleich angezeigt, in welcher Formation sich die Einheit befindet. Dies zu wissen ist entscheidend.

Zurück zum Kampf um Landshut. Die Truppen der Habsburger drücken ganz schön. Meine Plänkler halten aber tapfer die Stellung bis Verstärkung herangeführt worden ist. Jetzt ein Rückzug zu nächsten Stellung, der gleich vom Gegner mit schnellem Nachziehen beantwortet wird. In der Zwischenzeit haben Sicherungstruppen an der Flanke eine 2 Kolonne entdeckt, die geradewegs meiner Front in den Rücke marschiert. Gott sei Dank kann ich mit meinen beschränken Truppen die Gegner bis zur Nacht aufhalten. Der Gegenangriff ist zwar nicht wirklich erfolgreich, doch dem Gegner konnten wir solange aufhalten, so dass am nächsten Tag frische Truppen herangeführt werden können. Den Österreichern wurde die erste Niederlage bereitet.

Am nächsten Tag marschieren sie mit erheblicher Verspätung auf Eckmühl zu.

Ein riesiges Sumpfgebiet breitet sich von Osten nach Westen aus. Die Österreicher marschieren durch das Gebiet und erobern einen Ort im Sumpf, der  nicht gehalten werden kann. Ich gebe den Befehl sich auf den Hügel im Norden zurück zuziehen. Dort möchte ich auf die Ankunft meiner Verstärkung warten. Da an den Hügelhängen meine Einheiten von der Artillerie schwer beschossen wird, ziehe ich mich auf das Plateau zurück, das vom Feind nicht eingesehen werden kann. Jetzt warte ich auf die ersten Feinde, die den Hügel hinaufkommen . Meine Verstärkung ist schon im Norden aufgetaucht, doch die Karte ist sehr groß und es wird noch einige Zeit dauern, bis mir geholfen wird. Der Kampf um die Anhöhe dauert weiter an, feindliche Kavallerie wird eingesetzt, um mich zu vernichten, doch schnell formieren sich meine Leute zu einem Quadrat, um der Attacke wirksam entgehen zu können Screenshot ).  Am Ende werden die Österreicher erneut geschlagen.

Machen wir jetzt einen Ortswechsel. Unter Erzherzog Johann griff auch eine Armee in Italien an, welches damals von Frankreich abhängig war. Diese Schlacht wird auch simuliert. Ein neuer Feldzug wird geladen, jetzt entscheide ich mich für die Österreichische Seite. Doch leider befinde ich mich wieder im Nachteil und habe schwer zu ringen mit den stürmenden Franzosen. Ich habe meine Truppen aufgespalten, um eine größere Breite zu entwickeln. Erzherzog Johann reitet persönlich auf der rechten Seite seine Linien ab. In der Mitte die Franzosen, welche von den geladenen Gewehren der Österreicher empfangen werden. „Gott erhalte Franz, den Kaiser.....“Doch an anderer Stelle geht es mir nicht so schlecht. Eine Reiterattacke kommt gerade voll in Schwung. Die Plänkler in der Bildmitte (Einzelner Soldat) gehören schon der Vergangenheit an. Der Vollständigkeit halber sei noch gesagt, dass alle möglichen Ausprägungen der Spielmöglichkeit vorhanden sind (PBEM, Internet etc.). Der Szenarioeditor lässt einen seine eigenen Schlachten nachstellen. Wer die Zeit hat, kann im Campaign Editor auch Feldzüge basteln. Dort wird jeweils festgelegt, welche Karte gespielt wird und bei welcher Karte mit welchem Ergebnis weitergekämpft wird.


Hintergrund: 

Ermutigt durch die Bindung französischer Truppen in Spanien und die Reorganisation seiner Armee, zog Österreich unter seinem Generalissimus Erzherzog Karl ohne Verbündete und mit einem feindlichen Russland im Rücken, am 10. April 1809 gegen Napoleon in den Krieg. Ein Großteil der deutschen Fürstentümer stand damals als Rheinbund auf Seiten des Kaisers der Franzosen. Mit Land und Geld hatte er seinen Einflussbereich über die deutschen Fürsten gewonnen, nur Preußen leckte noch seine Wunden aus den Feldzügen von 1806 und übte sich in nobler Zurückhaltung, sprich Neutralität.

Karl wollte die verstreute Deutschlandarmee mit einem schnelle Schlag über das Donautal schlagen, doch die Zusammenziehung ging zu langsam vor sich, wichtige Truppen blieben in Böhmen zurück. So fanden die Franzosen genügend Zeit ihre Truppen zu organisieren.  In einer Reihe von Schlachten rund um Regensburg wurde Erzherzog Karl geschlagen und musste sich Richtung Wien zurückziehen.

Zur gleichen Zeit griff einen andere österreichische Armee unter Erzherzog Johann die Italienarmee an. Italien war auch ein Land, welches von Frankreich abhängig war. Anfangs noch erfolgreich musste er sich bald nach Ungarn zurückziehen und wurde schließlich in der Schlacht an der Raab besiegt. Mit den Resten seiner Armee zog er sich Richtung Wien zurück, wo bereits eine neue Schlacht tobte. Die Schlacht von Aspern-Essling verschaffte Erzherzog Karl einen taktischen Sieg. Napoleon verfolgte seine Armee nach der Niederlage in Bayern bis nach Wien. Karl verteidigte die Reichshauptstadt wiederum nicht, sondern zog sich über die Donau ins Marchfeld zurück (Gebiet nördlich der Donau und östlich von Wien). Napoleon gelang die Flussüberquerung nicht ganz deshalb zog er sich erneut zurück. Der Sieg half Österreich aber nicht, kein Verbündeter fand sich und so unterlag Österreich in der darauf folgenden Schlacht bei Wagram erneut. Der Preis für die Kriegsgelüste fiel diesmal nicht so billig aus. Österreich musst ein Menge an Demütigungen hinnehmen und verlor auch beträchtliche Besitztümer.

Die Schlachten um Regensburg zählt zu den glänzendsten Siegen Napoleons. Der Versuch Österreichs dem französischen Spuk ein Ende zu setzten wurde im Keim erstickt.


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