Systemanforderungen: MS-DOS 5.0 oder höher, 386DX/33 MHz-Prozessor, 4 MB RAM, 10 MB freier Festplattenspeicherplatz für die CD Rom Version, SVGA-Grafikkarte, Maus Fazit
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Rezension
Hintergrund

Fazit: 

Panzer General der Kultschmiede SSI ist nach wie vor DAS rundenbasierte Strategiespiel schlechthin. In echter Blitzkriegmanier erstürmte es die Herzen der Wargamer. Dank realistisch umgesetzter Einheitenwerte, genial einfachem Spielprinzip und dennoch knackigem Schwierigkeitsgrad (individuell anpassbar) wurde und ist es zu vollem Recht das wohl am meisten gespielteste Wargame aller Zeiten. Ich spiele es jedenfalls noch mehrmals im Jahr durch.... Wer Panzer General nicht kennt, hat wirklich etwas verpasst. Alle die es haben, werden es heiß und innig lieben!



Rezension: 

Panzer General von SSI war seinerzeit (meine CD-Rom ist von 1994) der absolute Hammer. Ich muß gestehen, das ich seitdem eigentlich ständig dieses Spiel spiele. Damals mußte ich es einfach so lange spielen, bis ich alle Gefechte der 39er Kampagne entscheidend (decicive victory) beenden konnte. Was für ein erhebendes Gefühl, als ich meine virtuellen Truppen nach langem Kampf in die amerikanische Hauptstadt führen konnte. Die Möglichkeit durch Leistung den Lauf der Geschichte ändern zu können, war grandios umgesetzt und motivierte den Strategiespieler ungemein. 

Panzer General ist ein rundenbasiertes Strategiespiel (zeitweise sogar wegen "politischer Unkorrektheiten" im Handbuch auf dem deutschen Index der Zensurbehörden), welches dem Genre zum kommerziellen Durchbruch verhalf, ohne dabei aber die Grundsätze eines echten Wargames zu verlassen. Der Spieler ist selbst der "Panzer General" und erhält uneingeschränkte Befehlsgewalt über seine virtuellen Truppen. Bei Panzer General gibt es nur deutsche Kampagnen, man kann aber in den ebenfalls mitgelieferten Einzelszenarien auch als Alliierter General seine Fähigkeiten unter Beweis stellen. Schauen wir uns nun einmal die sehenswerten Details dieses glorreichen Spieles etwas näher an. (Ich beziehe mich in meiner Rezension auf die zuletzt veröffentlichte Windows-Version von Panzer General).

Nach erfolgter Installation und originalen Introfilmchen findet sich der Spieler im Auswahlmenü wieder. Neben fünf Kampagnen (1939, 1941 Ostfront, 1941 Westfront, 1943 Ostfront und 1943 Westfront) kann der junge General auch gespeicherte Spiele laden oder eines der 38 Szenarien spielen. Natürlich steht auch die Option eines Spieles über e-mail zur Verfügung. Am meisten Spaß bereitet mir immer die große Kampagne von 1939. Vor dem Start des Spieles können noch die Vorlieben eingestellt werden: Erfahrungsgrad der Truppen, Prestigepunkte (dazu später mehr), Nachschub an oder aus, Einheitenstärke zeigen ja oder nein, Wetter an oder aus, versteckte Einheiten anzeigen ja oder nein und auch Züge des Gegners zeigen ja oder nein. Ich persönlich habe immer die Voreinstellungen so gelassen wie sie waren, also Nachschub an, Wetter an, Einheitenstärke anzeigen ja, versteckte Einheiten nicht zeigen und gegnerische Züge nicht zeigen. Prestige und Erfahrungsgrad bei allen auf Null. 

Nach dem Start einer Kampagne erfährt der Spieler bei einer Missionsbesprechung was zu tun ist. Neben der schriftlichen Darstellung motiviert nicht nur ein engagierter englischer Sprecher mit deutschem Akzent den Spieler, sondern es wird auch immer ein echter Filmschnipsel vorgeführt. 

Die Karte, auf der das Spielgeschehen stattfindet, ist in Hexfelder unterteilt und weist bis zu maximal 12 verschiedene Geländearten auf, wobei diese Geländearten selbstverständlich auch Auswirkungen auf die darauf befindlichen Einheiten haben. (Bsp.: Auf Straßen können Einheiten pro Runde viel weiter bewegt werden, als in Wäldern). Das Grundprinzip von Panzer General ist einfach: Der Spieler klickt eine seiner Einheiten an und gibt ihr dann einen Befehl. Hat er alle seine Einheiten befehligt, klickt er auf den "End Turn" (Ende der Runde) Schalter und dann ist der Gegner an der Reihe. Runden unterliegen keinerlei Zeitbegrenzung, so dass vor jedem Zug herrlich lange gegrübelt werden darf - und auch sollte. Das der Schwierigkeitsgrad von Panzer General aber nicht von Pappe ist, fiel seinerzeit schon diversen Redakteuren von Computerzeitschriften auf, so erinnere ich mich doch tatsächlich an einen Satz, der in etwa wie folgt lautete: "Dieses Spiel (Panzer General) wird sowieso niemals jemand komplett durchspielen..." Was habe ich gelacht! Doch, wir Wargamer haben es gemacht. Immer und immer wieder, ja wir tun es heute noch und es bereitet uns Freude! Panzer General fordert im Gegensatz zu den seichten Echtzeitspielchen noch Köpfchen und keine schnellen Fingerreflexe. Es gibt nämlich jede Menge Befehle, die zur rechten Zeit am rechten Ort und mit der richtigen Einheit gegeben werden sollten. Natürlich spielt auch die Reihenfolge der Befehlseingabe eine immens wichtige Rolle. (Bsp.: Eine gegnerische Stadt soll erobert werden. In dieser Stadt hat sich eine feindliche Infanterie-Einheit verschanzt. Dem Panzer General stehen folgende Einheiten zur Verfügung: 1 Artillerie, 1 Jagdbomber, 1 Infanterie und 1 Panzer. Es wäre dumm zuerst mit dem Panzer oder der Infanterie gegen die verschanzte Einheit anzurennen. Der Angriff sollte mit dem Jagdbomber und der Artillerie begonnen werden, dann die Infanterie und ggf. zum Schluß, falls die gegnerische Einheit schon angeschlagen ist, kann u.U. der Panzer noch zum finalen Stoß benutzt werden.) Nun berichte ich ja schon über einzelne Taktiken und habe noch nicht einmal das Menüsystem im Spiel beschrieben...  So ist es, wenn einen die Leidenschaft wieder packt...;-) Also gut, das Menüsystem. Links und rechts der den Bildschirm ausfüllenden Karte befinden sich eine Menge an Schaltern zur Befehlseingabe. Genau gesagt sind es 25, von denen aber nicht alle permanent benutzt werden. Das Menü von Panzer General ist übrigens genial benutzerfreundlich, denn nicht nutzbare Menüpunkte werden invertiert dargestellt. Ja, so tolle Sachen hatte man damals schon. Ist z.B. keine Einheit angewählt noch 11 Wahlmöglichkeiten zur Verfügung: Umschaltung zwischen Darstellung von Luft- und Bodeneinheiten, Terrain anzeigen (blendet alle Einheiten, Hexfelder und Länderkennzeichnungen aus), Save Game, zur nächsten Einheit, Aufklärungsfenster (ReconWindow), Info (fährt man mit der Maus über eine Einheit, werden Infos angezeigt), strategische Minikarte, Übersicht der Armee, Verlustanzeige, Einheiten kaufen und Runde beenden. Wählt man nun mittels Mausklick eine seiner Einheiten an, so werden weitere Menüpunkte aktiviert: Einheit auflösen (mit diesem Befehl sollte man sehr vorsichtig umgehen!), Einheit benennen (ja, man kann seinen virtuellen Kameraden die Namen seiner Wahl geben), Einheit verladen bzw. entladen (Infanterie hat z.B. in manchen Fällen Transportfahrzeuge), Anlanden bzw. Abspringen und Einladen (Fallschirmjäger in Flugzeuge bringen und abspringen lassen oder Truppen aus Transportschiffen anlanden lassen etc...), Einheit aufrüsten (Bsp.: Rüsten sie ihre Panzer I Truppen mit dem neuen Panzer III E aus), Eliteersatz (angeschlagene Einheiten werden mit Truppen aufgefüllt, die ihrem Erfahrungsniveau entsprechen), Ersatz (angeschlagene Einheiten werden mit normalen Rekruten aufgefrischt, Erfahrungswerte gehen prozentual verloren), Nachschubversorgung (Alle Munition verschossen? Kein Benzin mehr? Dieser Befehl schafft Abhilfe). Weiterhin gibt es noch die Befehle zum Aufstellen neu erworbener Einheiten und die Befehle für ein Spiel per e-mail. Diesen Spielmenübefehlen ist eine Windowsbefehlsleiste übergeordnet: File - Edit - Game - Window sind die Hauptgruppen dort. Im Bereich "File" findet man Möglichkeiten des Speicherns und Ladens, weiterhin kann ein neues Spiel gestartet oder ein älteres geöffnet werden und man kann Einsicht in seine Spielerdossiers nehmen. In diesen Dossiers werden penibel alle ihre Heldentaten (oder auch Niederlagen) vermerkt. Neben dem obligatorischen "About Panzer General" findet man letztlich noch eine Organisationstabelle und den Ausgang. Im Menü Window kann man einige Fenster öffnen, was aber auch mit den bereits angesprochenen Ingame Menüleisten möglich ist.  Interessant ist hier eine Übersicht über die Hotkeys unter dem Eintrag "Intelligence". Der Bereich "Game" bietet die Auswahl von Pause, Ende der Runde, Autoscroll der Karte an oder aus, Vorlieben einstellen und alle Züge beenden. Unter "Edit" kann man die Musik, die Kampfszenen und weitere Kleinigkeiten je nach Vorliebe des Spielers einstellen.

Wenden wir uns nun den Einheiten zu. Die ersten paar Einheiten bekommen wir quasi "geschenkt", doch von nun an hängt es von der eigenen Fähigkeit ab, welche weiteren Einheiten man noch nutzen kann. Je besser der Spieler ist, desto mehr Prestigepunkte bekommt er nämlich. Erfolgreiche Generäle häuften mit ihren Siegen ein hohes Prestige an, so der Hintergrund. Diese Prestigepunkte kann der Spieler nun zum Kauf neuer Einheiten benutzen. Natürlich kann er auch seine alten Einheiten mit neueren Materialien aufrüsten oder im Kampf angeschlagene Einheiten mit Ersatztruppen versorgen. Egal wofür er sich entscheidet, er muß es mit seinen selbst erworbenen Prestigepunkten bezahlen. Ein wunderbar funktionierendes System, welches für den Spieler nachvollziehbar ist. Meistens hat man natürlich immer zu wenig von diesen Prestigepunkten, aber ein General zeichnet sich nun einmal auch durch geschickten Einsatz limitierter Ressourcen aus. Bleiben wir noch ein wenig bei den Einheiten. Hier zeigt sich auch ganz besonders die Stärke dieses Klassikers! Festhalten muß man einfach die gewaltige Vielfalt der Einheiten, welche einen unerfahrenen Strategiespieler oder Wargamer-Neuling nahezu erschlägt! Für diejenigen Zeitgenossen unter uns für die Panzer gleich Panzer ist, wurde Panzer General nicht gemacht! Ganz wie in der Realität gibt es eben auch im Spiel die unterschiedlichen Panzertypen und zwar nicht nur grafisch dargestellt, sondern auch mit spezifischen Werten. Diese enorme Einheitenvielzahl gepaart mit den fein strukturierten und spezifizierten Einheitenwerten macht Panzer General zu einem echten Wargame mit hohem Realismusanspruch.  Zu vollem Recht, wie ich finde! Das gilt selbst heute noch, fast eine Dekade nach dem Erscheinen des Spieles! In Panzer General findet der Spieler Einheiten von 15 Nationen, wobei grundsätzlich zwischen 10 Einheitenklassen oder -typen unterschieden wird. Die 10 Klassen sind: Infanterie - Panzer - Aufklärung - Panzerabwehr - Artillerie - Flugabwehr - Luftverteidigung - Jäger - taktische Bomber - strategische Bomber. Letztlich kommen sogar noch mehr Einheiten vor, da es im Spiel selbst auch verschiedene Schiffstypen nebst U-Booten und Flugzeugträgern gibt. Jede einzelne Einheit, egal welcher Klasse sie zugehörig ist, weist Werte auf. Werte für verschiedene Rubriken, als da wären 1. momentaner Treibstoffvorrat (verbraucht sich bei Bewegung) 2. maximale Treibstoffmenge 3. momentaner Munitionsvorrat (verbraucht sich im Gefecht) 4. maximale Munitionsmenge 5. Eingrabungwert (je nach Geländeart von 0 bis 4) 6. Erfahrung (100 Erfahrungspunkte=1 Sternchen) 7. Stärke (0 bis 10 bzw. bis 15)  8. zerstörte Gegner  9. Sperrfeuerdruck  10. Punktewert (Kosten der Einheit in Prestigepunkten)  11. Fortbewegungsart (zu Fuß, gezogen, Kettenfahrzeug etc....) 12. Sichtweite (bei gutem Wetter)  13. Kampfreichweite  14. Initiative  15. Angriff gegen ungepanzerte Ziele  16. Angriff gegen gepanzerte Ziele  17. Luftangriff  18. Seeangriff  19. Bodenverteidigung  20. Luftverteidigung  21. Nahkampfverteidigung  22. eigener Zieltyp   23. Transportfahrzeugdaten. 

Sie sehen schon verehrter Leser, aus dieser Menge an unterschiedlichen Werten lassen sich auch eine Menge verschiedener Einheiten definieren. Im Kampf spielen dann noch weitere Faktoren eine Rolle: z.B.: Wetter - Geländeart - Zufallsfaktor - Unterstützungsfeuer. 

Jede Kampagne gliedert sich in einzelne Gefechte und diese wiederum in einzelne Runden. Die Anzahl der Runden ist in einem Gefecht begrenzt und hier liegt auch der Schlüssel zum Erfolg. Je schneller der General seine Aufträge erfüllen kann, desto besser ist er. Desto mehr Prestigepunkte erhält er. Frei nach dem Motto, wer da hat, dem wird gegeben... Ein Gefecht kann auf drei Arten Enden: Entscheidender Sieg -  Sieg oder Niederlage. Je nach Art des Sieges gelangt der Spieler in ein anderes Folgegefecht und kann u.U. (wenn er immer nur glorreich siegt) den Lauf der Geschichte ändern. Panzer General war seinerzeit eine geballte Ladung Innovation und bietet jedem interessierten Wargamer auch heute noch ein Spielerleben lang Freude.


Hintergrund: 

Panzer General spielt vor dem Hintergrund des 2. Weltkrieges, basiert aber laut Handbuch auf antiken Kriegsspielen, denn bereits die alten Griechen sollen diesem Hobby gefrönt haben. Erwähnt wird das antike Kriegsspiel Rhythmomachia. Wie dem auch sei, wo die Wurzeln der Wargames auch immer liegen mögen. Der Reiz an Spielen, in denen der Sieg durch die Kraft des Geistes erlangt werden kann ist mit Schach sicher populär geworden. Der Computer bietet eine hervorragende Möglichkeit, um die oft komplexen Berechnungen in so umfangreichen Spielen wie Panzer General durchzuführen. 


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