Systemanforderungen laut Hersteller: Windows 95,98,Me,2000 - CPU mit 300Mhz - 64 MB RAM - 750 MB Festplattenspeicher - Grafikkarte mit 4 MB RAM - 8fach CD-ROM - DirectX7.0 kompatible Grafik- und Soundkarte - 56 K Modem für Internetspiel. Fazit
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Rezension
Hintergrund

Fazit:  

Take2 bringt mit dem Echtzeitspiel Stronghold von Firefly Studios das Mittelalter auf die Festplatte. Realismus oder gar Lerneffekt darf hier aber nicht erwartet werden. Echtzeit mit Burgen- und Basenbau einmal mit einem selteneren Szenarium. Die reichhaltigen Optionen, inklusive Editor und Mehrspieler, sowie die prächtige Präsentation, entschädigen den Echtzeitfan für kleine Karten und mittelalterlich angestaubte Spielgrafik. Die zu errichtenden Wirtschaftskreisläufe sind von Anfängern gut zu bewältigen und die liebevoll inszenierten Animationen der virtuellen Recken schön anzusehen. Echtzeitfans werden nicht enttäuscht.



Rezension: 

Mit Stronghold von Firefly Studios entführt Take2 den Spieler zurück ins finstere Mittelalter. In diesem Echtzeitstrategiespiel geht es um den Bau von Burgen, die Verteidigung und die Erstürmung derselben. Vorweg muss festgehalten werden, dass Spieler, die auf einen gewissen Realismus Wert legen, lieber die Finger von Stronghold lassen sollten. Wer leicht zugängliche und seichte Echtzeitspiele hingegen mag, der wird an diesem Spiel durchaus Freude haben können. Ausgeliefert wird Stronghold in schicker Box mit enthaltener DVD-Verpackung (doppelt hält wohl besser und so werden die Anhänger der Pappboxen ebenso beglückt, wie die Verfechter der neueren DVD-Verpackungen). Ein technisch gut gemachter, aber eher alberner Introfilm soll ins Geschehen einführen. Scheinbar war im Mittelalter alles ziemlich beschissen...., so jedenfalls wirkte der wohl lustig gemeinte Film auf mich. An Auswahlmöglichkeiten mangelt es aber auf gar keinen Fall. Es gibt Kampfoptionen, Wirtschaftsoptionen, Karteneditor und allgemeine Spieloptionen. Unter "Kampfoptionen" kann 1. eine 21 Missionen umfassende kampfbasierte Kampagne durchgespielt werden, in der vier bitterböse Gegner mit tierischen Namen (Ratte, Schlange, Schwein und Wolf) darauf warten vom Spieler ausgelöscht zu werden. 2. eine Mehrspielerpartie gegen bis zu 8 Mitspielern gespielt werden 3. Belagerung spielen, also vorgefertigte "historische" Burgen angreifen oder verteidigen und 4. Invasion spielen, also die eigene Burg aufbauen, erhalten und erweitern, wobei ständig angreifende Feinde abgewehrt werden müssen.  Unter "Wirtschaftsoptionen" gibt es sog. kampfunabhängige Missionen. 1. die Wirtschaftskampagne, welche 5 Missionen umfasst und zeitlich genau nach der oben erwähnten kampfbasierten Kampagne angesiedelt ist. Es geht darum das soeben gewonnene Königreich aufzubauen. 2. Wirtschaftsmissionen spielen, also Verwaltung der Ressourcen und Erreichung vorgegebener Ziele und 3. Freies Bauen, wobei dem engagierten Burgenbauer keinerlei lästige Feinde einen Strich durch die Pläne für die Traumburg ziehen. Der Karteneditor bietet die Möglichkeit die vorgefertigten Karten zu bearbeiten, neue Einzelmissionen oder sog. "Sturmfrei"-Missionen zu basteln, die daraus bestehen eine Burg zu erschaffen, um sie dann ins Internet zu stellen und zu sehen, wie lange sie den Angriffen der Stronghold-Community standhält.... Das über 60 Seiten starke Handbuch liefert dem Spieler alle nötigen Informationen zum Spiel und wird durch ein ReadMe file auf der CD-ROM ergänzt. Besonders viel Mühe haben sich die Entwickler mit der Präsentation ihres Spieles gegeben. Alle Menüs und Hintergrundbilder, Schalter, Buttons und das gesamte "Drumherum" ist wunderschön und liebevoll umgesetzt. So gelingt es dem Spiel, den Spieler vom Start weg in die Welt des Mittelalters zu ziehen und ihn auch dort zu halten. Die eigentliche Spielgrafik steht dazu in einem gewissen Gegensatz, denn sie ist nicht unbedingt auf der Höhe der Zeit. Sicher, schön gezeichnete 2 D Grafik muss nicht schlecht aussehen, aber umwerfen tut mich die Spielgrafik von Stronghold nun wahrlich nicht. Außerdem sind die Karten irgendwie ziemlich klein, jedenfalls für meinen Geschmack. Immerhin ist das Menü durchdacht und gut zugänglich. Am unteren Bildschirmrand platziert, hat der Spieler immer alles im Blick: Gebäudeauswahlfenster, Gebäudekategorien und die Symbole für Spieloptionen, Aufgaben, Rückgängig und Löschen. Auf der Minikarte rechts unten kann man immer den aktuell sichtbaren Bereich einsehen und in der rechten unteren Ecke hält ein Kapuzenträger die Infotafel mit den Werten: Beliebtheit, Schatzkammer und Bevölkerung.

Zum Bau von Burgen benötigt man natürlich Ressourcen, welche auf der Karte durch den Bau der spezifischen Gebäude auch erworben werden können. Insgesamt kann der Spieler über 70 Gebäude errichten, was wahrlich eine enorme Anzahl ist. Allerdings sind hier alle Gebäude eingeschlossen und nicht nur jene, die der Ressourcengewinnung dienen. Es gilt nämlich auch einen funktionierenden Wirtschaftskreislauf aufzubauen und am Laufen zu halten. Bsp.: Eine Getreidefarm liefert Getreide, welches in der Mühle zu Mehl verarbeitet wird. Eine Bäckerei backt aus dem Mehl Brot, welches die Bevölkerung ernährt. Die Untertanen spielen eine wichtige Rolle in Stronghold, stellen sie doch die Arbeitskräfte und die bitter nötigen Soldaten. Allerdings zeigt sich hier auch wieder wie unrealistisch das Spiel konzipiert ist. Mit einer winzigen Anzahl an Einwohnern können fette Burgen gebaut werden. Es ist eben keine Simulation, sondern ein Echtzeitspiel! Besonders interessant finde ich auch die Möglichkeit Steuern zu erheben. Die Skala reicht hier von "Grausame Steuern" (holt den letzten Pfennig aus den Untertanen heraus) bis hin zu "Großzügige Spende" (der Spieler verteilt seine Dukaten ans Volk). Änderungen an der Steuerschraube ändern auch den Beliebtheitsgrad des Spielers bei der virtuellen Einwohnerschar. Die Beliebtheit ist (wieder im Gegensatz zur Realität;-) ziemlich entscheidend für das Spiel. Werden die Einwohner schlecht behandelt hauen sie einfach ab und man sitzt alleine in seiner halbfertigen Burg...., verteilt man großzügig seinen Schatz, fehlt einem das nötige Kleingeld zum Kauf von besseren Truppen etc...  Balance ist das Zauberwort und Anpassung an die jeweilige Situation. Leichter gesagt als getan, den die Reaktionen der Einwohner lassen nie lange auf sich warten. In Stronghold geschieht sowieso alles heftig schnell. Sind z.B. genügend Ressourcen vorhanden, kann man im Fluge eine Burg errichten. Unwichtige Dinge, wie Bauzeit oder so.... werden erst gar nicht berücksichtigt. Symbole und Gebäude auswählen, mit der Maus über die Karte gezogen und schwupp, da steht das Prachtstück schon bereit. Oft passiert es, das gewisse Bereiche der Burg nicht richtig platziert wurden, meist Mauern. Das liegt an der Karte, welche Höhen schlecht darstellt. Durch Ausblendungsfunktionen kann man aber solche "vergessenen" Bereiche entdecken und schließen. Das sollte man allerdings auch tun, denn die Feinde sehen diese Schwachstellen sehr schnell. Man kann damit auch sehen, was hinter Wällen ist, wodurch man sich gewisse Vorteile verschaffen kann... Die Kämpfe laufen im üblichen Echtzeitstil ab und alle Funktionen dazu sind vorhanden (Gruppierungen, Auswahl derselben Typen etc...). 11 verschiedene Einheitentypen können aufgestellt werden, wobei jede ihre besonderen Eigenschaften hat. Bogenschützen sind billig und auf Distanz effektiv. Streitkolbenkämpfer eine recht gute "Allround"-Einheit, die sowohl Leitern erklimmen kann, als auch Burggräben zuschaufelt. Im Nahkampf sind diese Truppen ebenfalls nicht schlecht. Ritter sind wahre Elitetruppen, die jedoch auch ihren Preis haben, ziemlich langsam sind und weder auf Leitern steigen, noch Burggräben zuschütten können. Die kampfbasierte Kampagne kann man sicherlich als das Herzstück des Spieles ansehen und ist linear aufgebaut. Der erste Schock für mich war die Landkarte: die Bundesrepublik Deutschland in ihren momentanen Grenzen. Das ganze Land wird beherrscht von vier krankhaften Bösewichtern, die sich mehr oder weniger illegal in ihre Machtpositionen gebracht haben. Soll das etwa eine Anspielung auf die derzeitigen politischen Zustände in unserem Lande sein? ;-) LOL. Der Spieler jedenfalls lagert im äußersten Osten irgendwo in MeckPom und beginnt dort die Eroberung des Landes. Der Schwierigkeitsgrad nimmt, wie bei den meisten Spielen üblich, mit jeder Mission zu. Die Missionen sind recht abwechslungsreich gestaltet, wobei die Feinde eine schwache K.I. durch Masse ausgleichen. Das ist man ja aber von Echtzeitspielen auch meist so gewohnt und erwartet daher kaum etwas anderes. Die Animationen sind sehr schön anzusehen, so freut sich zumindest der Sehnerv, wenn das Hirn schon nicht überlastet wird. Eine schnelle Hand an der Maus ist im Falle eines Kampfes selbstverständlich kampfentscheidend! Dennoch sollte man bei der wilden Klickerei nicht die Fähigkeiten seiner virtuellen Getreuen vergessen. Bogenschützen und Armbrustschützen taugen nunmal nicht für den Nahkampf! Diese Truppen gehören auf Mauern oder Türme und sollten durch Pikeniere oder Schwertkämpfer geschützt werden. Also: Schon beim Aufstellen der Einheiten daran denken, denn in der Hitze der Schlacht sind taktische Anordnungen oft nicht mehr schnell genug möglich! Lobenswert ist die Tatsache, das Stronghold komplett in deutsch vorliegt. Meiner Meinung nach sollte jedes Spiel, das in Deutschland zu kaufen ist, auch komplett in deutscher Sprache sein. Nur einige Kleinigkeiten trüben diesbezüglich den positiven Eindruck. So wird oft die englische Bezeichnung "Sire" benutzt, obwohl die Karte ja unschwer als Deutschland auszumachen ist und einige Gegenspieler haben ansonsten französisch klingende Namen. Nun denn, man kann halt sagen, das Stronghold die spielerischen Freiheiten eben voll ausschöpft. Realismus oder gar Lerneffekt (z.B. über Burgenbau im Mittelalter oder so...?) will und kann Stronghold gar nicht rüber bringen. Stronghold ist ein Echtzeitspiel, das als Szenarium eben einmal das Mittelalter gewählt hat. Es muss ja auch nicht immer der III. Weltkrieg oder gar Science Fiction sein!


Hintergrund: 

Burgen waren im Mittelalter Machtzentren, welche die umliegenden Ländereien schützten. Zur Ausdehnung und Sicherung des Herrschaftsgebietes einer Dynastie waren sie bis zum Aufkommen des Schwarzpulvers unerlässlich. Der Bau solcher Burgen wurde oft unter immensen Strapazen der Arbeiter ermöglicht und verschlang Unsummen von Geldern. Im Spiel Stronghold gilt zumindest das Grundprinzip der Burg als Machtzentrum. Errichte eine Burg, verteidige sie gegen Angreifer, dann ist das Land gesichert.


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