Systemanforderungen laut Hersteller: Pentium II 266 MHz - DirectX 7.0a kompatible 3D Grafikkarte mit mindestens 4 MB RAM - Windows95/98/ME/2000 - 64 MB RAM - 500 MB freien Festplattenspeicher - DirectX 7.0a - 4fach CD-ROM Laufwerk - DirectX 7.0a kompatible Soundkarte - Super VGA Monitor mit mindestens 800 x 600 Auflösung. Fazit
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Rezension
Hintergrund

Fazit:  

Microsoft beglückt Bahnbegeisterte mit dem Train Simulator. Es handelt sich hierbei um eine realistische Simulation. Der Spieler kann als Zugführer Platz im Fahrerhaus von Dampf-, Diesel- oder Elektrolokomotiven nehmen. Im Gegensatz zum hervorragenden Sound wirkt die Grafik veraltet und ruckelt zudem noch viel zu oft (Gespielt mit Pentium 933 MHz, 512 MB RAM, Geforce 2 mit 64 MB).  Die deutschen Texte im Spiel könnten besser sein, aber es ist zumindest erfreulich, das es sie überhaupt gibt. Die Bedienbarkeit ist kinderleicht, sollte aber nicht dazu verleiten diese Simulation auf die leichte Schulter zu nehmen. Zahlreiche Aufgaben und ein (extrem komplizierter) Editor sorgen bei der Zielgruppe für lang anhaltende Beschäftigung



Rezension:  

"Auf der Gates´sche Eisebahne....tralalalalala.....". Jajaja, endlich gibt es den Simulator auf den Eisenbahnfans schon immer gewartet haben. Microsoft hat ein Herz für Freunde der schmalen und der breiten Spur gehabt und erweitert sein Produktportfolio mit einer realistischen Eisenbahn-Simulation, dem Train Simulator. Nachdem Flugzeuge, Autos, U- Boote und was weiß ich nicht alles, schon bis zum Exzess simuliert wurden und werden, hat der clevere Bill G. nun die Eisenbahn als Objekt der Simulierung entdeckt. Konkurrenzlos beherrscht er mit dem Train Simulator diese Genrenische, denn es gibt absolut kein vergleichbares Produkt. Diesen Umstand muss der angehende virtuelle Lokomotivführer denn auch dementsprechend honorieren. Als Schnäppchen kann der Train Simulator von Microsoft bei einem Preis von ca.: 120 ,-DM nun wirklich nicht bezeichnet werden. Nein, der Vorstoß in das neue Untergenre der realistischen Eisenbahnsimulationen ist ebenfalls ein Vorstoß in neue Gipfel der Preisklassen. Der Verkaufserfolg scheint aber zu bestätigen, das der wahre Simulationsfan durchaus bereit ist auch diese Preisgipfel zu erklimmen. Bleibt mir nun die Frage zu klären, was der "Gipfelstürmer" für seine "Kohle" erhält. 

In der schmucken Pappschachtel findet der Eisenbahnenthusiast ein rudimentäres Handbuch mit 15 Seiten, jede Menge Benutzerinformationen und Erklärungen zur beschränkten Garantie, sowie natürlich die beiden CD-ROMs mit dem Spiel. Entschuldigung: der Simulation! Diese befinden sich nicht etwa in einem banalen Jewelcase, nein, sie stecken in einer eigens angefertigten bunt bedruckten Pappschatulle. Dann gibt es da noch die farbige Falttafel mit den Tastenkombinationen und den Signalen und Zeichen, welche man immer wieder gerne zur Hand nimmt, bietet sie doch kurze und oft dringend benötigte Informationen. Das eigentliche Handbuch liegt nur in virtueller Form (pdf-Datei) auf CD-ROM vor und hat 90 Seiten.

Nach Installation und Start der Simulation befindet sich der angehende Lokomotivführer im Hauptmenü mit folgenden Möglichkeiten: 1. Optionen, hier kann Grafik, Sound usw. angepasst werden. 2. Einführende Zugfahrt, hier kann man sich zurücklehnen und einer virtuellen Zugfahrt beiwohnen. 3. Lernprogramme, hier wird der Spieler an die Hand genommen und ihm alles Schritt für Schritt erklärt 4. Fahren eines Zuges. Das eigentliche Kernstück des Programms und 5. Gesp. Aufgabe laden, hier können zuvor abgespeicherte Aufgaben fortgesetzt werden.

Insgesamt enthält der Train Simulator über 950 Kilometer simulierter Eisenbahnstrecken. Diese Summe ergibt sich, wenn man die sechs vorhandenen Strecken ( Hisatsu Linie, Innsbruck - St. Anton, Marias Pass, Northeast Corridor, Settle & Carlisle und Tokio - Hakone) summiert. Auf jeder Strecke fährt selbstverständlich ein anderer Zug, bzw. man kann aus einer Auswahl einen Zug wählen. Simuliert werden Dampf-, Diesel- und Elektrolokomotiven, als da wären: Dash 9, Flying Scotsman, Gölsdorf 380, GP 38-2, KIHA 31, KIHA 31 Isaburo/Shinpei, Series 2000, Series 7000 LSE, Acela Express und Acela HHP-8. Jeder Zug hat ein anderes Fahrerhaus, welches realistisch nachgebildet wurde und die notwendigen Bedienelemente enthält. Der Realitätsgrad kann ebenfalls angepasst werden, so dass spektakuläre Entgleisungen möglich werden, sollte man seinen Zug nicht beherrschen.

Bevor ich mich ans Steuer einer der Züge begebe, noch ein paar Eindrücke bzgl. Sound, Grafik, Lokalisierung und Bedienbarkeit dieser Simulation.

1. Sound: Akribisch wurden alle Originalgeräusche zusammengesammelt, was sich in den unterschiedlichsten Pieps-, Pfeif-, Ächz- und Knartschtönen wiederspiegelt, die man so von Eisenbahnfahrten kennt. Besonderen Wert wurde hier auf Authentizität gelegt, was zwar die wenigsten Spieler tatsächlich nachprüfen können, der Simulation aber Charakter verleiht. Da wackeln die Ohren des Simulanten vor schierer Freude über diese sagenhafte Geräuschkulisse. Die Sprachausgabe bei den Einführungsmissionen hingegen wirkt wenig professionell und hat den Charme einer Bahnhofsansage, so gesehen allerdings eben doch in gewisser Weise "realistisch" simuliert....

2. Grafik: Die Grafik ist wirklich nur als altbacken zu bezeichnen. Sicher, alles ist irgendwie vorhanden, aber wirklich super sieht´s nicht aus. Schaut man in der Außenansicht auf seinen Zug, wie er so durch die Landschaft fährt, so bewundert man vor allem die Fleißarbeit der Entwickler, die massenhaft Objekte in die Landschaft gestellt haben. Leider wirken die Objekte aber eben nicht so detailliert, wie es auf der Packung angepriesen wurde. Die Häuser sind klobig und besonders die Autos, die man hin und wieder z.B. an Bahnübergängen sehen kann, sehen aus wie Schuhkartons mit Rädern. Die Züge selbst sind dagegen schon besser anzuschauen und immerhin sollen alle Strecken absolut realistisch nachgebildet worden sein. Besonders enttäuscht hat mich aber das die Fahrgäste nicht vorhanden sind, d.h. es werden keine Personen dargestellt. Der Zug und auch die Bahnhöfe sind immer menschenleer, was der Simulation doch Abbruch tut. Geisterzüge werden durch Geisterbahnhöfe gesteuert.

3. Lokalisierung: Die deutsche Ausgabe der Simulation weist zahlreiche Fehler auf, die zwar nicht zur Unspielbarkeit führen, aber die Freude über diese Simulation doch trüben. Kann man sich an diverse Abkürzungen noch gewöhnen, so stören einen regelrechte Fehler doch und besonders in den Auswertungen tragen seltsame Wortkonstellationen ala "Aufgabenevaluation" oder "Kupplungsspiel" doch zu Unverständnis bei. Frohnaturen wie mir entlockten diese Fauxpas hin und wieder ein herzliches Lachen. ( Bsp.: "...das Kupplungsspiel hat den Fahrgastkomfort zu stark beeinträchtigt". Was mag das wohl bedeuten? Was ist ein Kupplungsspiel? Geht es um das An- und Abkuppeln von Waggons? In dieser Mission wurde aber gar nicht gekuppelt.... Bin ich etwa zu ruppig angefahren, d.h. habe ich soz. die Kupplung springen lassen? Aber ich fahre ja einen Zug und gar kein Auto? Hmmm....eine Partnershow-Simulation ist das auch nicht.... nun denn, was weiß ich. ;-)

4. Bedienbarkeit: Die Bedienbarkeit ist sehr einfach, was diese Simulation zugänglich macht. Alles kann mittels Tastatur gesteuert werden, aber auch die Maus kann zur Hilfe genommen werden. Praktisch und sehr nützlich ist die bereits erwähnte farbige Falttafel mit den Signalen und Zeichen, welche zu Beginn wohl immer sichtbar am Computer liegen wird. Später kennt der ambitionierte Zugführer natürlich alle diese Signale des Schienenverkehrs wie seine Westentasche und kann die Falttafel dann wieder in die Spielepackung stecken.

Nun aber hurtig ins Fahrerhäuschen, schließlich muss der Zeitplan eingehalten werden..... Nach einigen "freien Spielen", genannt "Erkundung der Strecke", in denen ich mich mit den Bedienungen der unterschiedlichen Züge vertraut gemacht habe, wage ich einmal eine echte Herausforderung! Es ist schon toll, was da alles an Aufgaben bereit steht. Ich hätte es kaum für möglich gehalten, was so alles mit dem Train Simulator simuliert werden kann. Von so banalen Aufträgen wie: "Kurzer Personentransport" oder "Abkuppeln eines Waggons" über gar romantisch anmutende Missionen ala "Getreidezug bei Nacht" oder "Brautpaar" geht es hin bis zu skurilen Aktionen, wie "Mord im Orientexpress" oder "Erdbebenschäden". Tja, wie im richtigen Leben! Alles Dinge mit denen man im Traumberuf Lokomotivführer durchaus konfrontiert werden könnte. Das gute an einer Computersimulation ist, das man hier nicht ein halbes Berufsleben auf die krasse Action warten muss, sondern sofort zur Tat schreiten kann. Bei derart unterschiedlichen und zahlreichen Aufgaben fällt die Auswahl gar nicht so leicht. Letztlich entschließe ich mich einmal für den Auftrag "Feiertag im Sommer". Gilt es hier doch ameisenfleißigen kleinen Japanern ein paar Stunden im Grünen zu ermöglichen. Das alles möglichst ohne Verspätungen, trotz starkem Zeitdruck. 

Start der Simulation. Ich sitze im Führerhaus des Zuges und zahlreiche Popup-Fenster versperren mir die Sicht auf die geliebten Schienen. Die Popup-Fenster, fünf an der Zahl, stellen folgende Informationen bereit: "Betriebslogbuch", das größte Fenster, enthält sechs Untermenüs: Einweisung, Fahrplan, Arbeitsauftrag, Auswertung, Bedienung und Tastaturbefehle. Hier kann ich mir noch alle nötigen Informationen durchlesen. Die Simulation startet erst, wenn dieses Fenster geschlossen wird. Das zweite Fenster, "Info zu Steuerelementen & Anzeigen" klicke ich ebenso weg wie das dritte mit den "Weicheninformationen". Die beiden Fenster "Streckenmonitor" und "Nächster Halt" möchte ich aber weiterhin im Blick behalten und ziehe sie mit gedrückter Maustaste an eine andere Stelle des Bildschirms. Jetzt aber endlich los. Zuerst den Richtungswender auf Position "Vorwärts" legen. Zugbremse auf Position "Ausgelöst 100 %". Den Regler für Geschwindigkeit auf 20 % und schon schiebt sich der Zug nach vorne. Hey, ich fahre! Neben den genannten Bedienelementen gibt es in meinem momentanen Zug (Series 2000) noch das Signalhorn, die Scheinwerfer und den Aus- und Einfahrmechanismus für die Stromabnehmer. Das war´s auch schon. (In anderen Zügen gibt es natürlich auch andere Bedienelemente, wie Kombischalter für Gas und Bremse oder Sandstreuer. Gerade Dampfloks weisen eine große Anzahl an Bedienelementen auf und sind nicht einfach zu steuern, wenn man alles selber machen will). Viel gibt es also beim Series 2000 nicht zu bedienen, aber dafür fummelt man an diesen Hebeln ziemlich oft rum. Ein Bahnhof jagt den nächsten und besonders die extrem langen Bremswege machen mir arg zu schaffen. Das ist wirklich stark gewöhnungsbedürftig! Nicht mal eben mit locker 100 km/h vor den Bahnhof gedüst und kurz gebremst..... Nein, nein, das kann nicht klappen. Der Bremsvorgang bedarf großer Obacht und vorausschauendes Fahren ist angesagt. Nach dem ein oder anderen durchfahrenen Bahnhof.... gelang es mir dann doch den Zug auch einmal direkt am Gleis zum Stehen zu bringen, so dass die Passagiere ein- und aussteigen konnten. Wie bereits erwähnt, sieht man diese Passagiere aber leider gar nicht. In dem Popup-Fenster "Nächster Halt" läuft stattdessen eine Zeitanzeige rückwärts, also z.B. von 03:20 auf 00:00. Das simuliert den Ein- und Aussteigevorgang der Passagiere. Anschließend ertönt ein Signal und man darf seinen Zug wieder in Bewegung setzen. Startet man vor dem bewußten Signal, so gibt das schlechte Einträge in der Wertung. Nun habe ich aber jede Menge Verspätung eingefahren, fällt mir gerade so auf. Die gestressten virtuellen und imaginären Japaner schimpfen bestimmt schon ganz fürchterlich, das ich ihnen ihren Feiertag ruiniere. Also gebe ich jetzt mal ordentlich Gas. Den Regler einfach mal auf 91% gesetzt und aufi geht´s! Hurra, man geht der Zug ab. Da rauschen die dumpfen grauen Häuserblocks nur so an mir vorbei. Das muss ich mir mal in der Außenperspektive ansehen.... Gedacht, getan drücke ich die Taste für die Außenansicht und drehe und zoome mir eine Perspektive von vorne oben zurecht. Cool, wie der Zug so um diese Kurve saust! Doch nein, was ist denn nun los? Ist dieser Waggon denn überhaupt noch auf der Schiene? Oh Jammer, die Katastrophe ist eingetreten. Einer meiner schönen Waggons nach dem anderen schiebt sich von der Schiene. Eine perfekte Entgleisung.... War ich wohl doch etwas zu schnell... hab´s doch nur gut gemeint... wollte doch nur die Zeit wieder rausholen.... Nun ist´s zu spät und diesmal hatte Godzilla gar nicht zugeschlagen, der ja sonst die meisten japanischen Züge perforiert. Nein, es war meine Wenigkeit. Jedenfalls muss ich mir dieses Bild des Grauens nicht länger ansehen, denn die Aufgabe ist hiermit beendet und ich kann mir die Auswertung durchlesen. Mir schwant nichts Gutes.... 

Üben, üben und nochmals üben! Der Train Simulator von Microsoft sollte nicht unterschätzt werden. Allerdings denke ich mal das sich an diesem Programm die Geister scheiden werden. Zugpersonal, reale Zugführer, Modelleisenbahnfreaks und sonstige "Zug-Besessene" werden diese Simulation wie kein zweites Spiel lieben und die 950 virtuellen Kilometer mit den zahlreichen Aufgaben so lange abfahren, bis sie tadellose Auswertungen erhalten haben. Der Simulationsfan als solcher, der gerne diverse Simulationen spielt, könnte sich durchaus auch für diese Simulation interessieren. Alle anderen werden die Simulation so spannend finden, wie den Fahrplan der Bahn. 


Hintergrund: 

Jeder ist sicher schon einmal mit einer Eisenbahn gefahren und viele kleine Buben sollen sich ja nichts sehnlicher wünschen als Lokomotivführer zu werden. Microsofts Billy Boy macht´s endlich möglich. Mit dem Train Simulator kann sich nun jeder diesen Wunsch, zumindest in virtueller Form, erfüllen. Da pocht das Herzchen, da füllen sich die Äuglein mit Freudentränchen, wenn der Papa mit dem Filius in Harmonie vereint am heimischen PC den Orientexpress durch verschneite Berge steuert.... oder den Odakyu Super Express durch die Häuserschluchten Japans rasen lässt..... 


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