Systemanforderungen: 500 MHz Pentium oder AMD Athlon - 256 MB RAM - 16xCD/DVD-ROM-Laufwerk - 1,8 GB Festplattenspeicher - 16 MB Grafikkarte mit DirectX 8.1 kompatiblen Treibern - DirectX 8.1 kompatible Soundkarte - Tastatur - Maus - 56,6 Kbit/s oder höher zum Spielen über das Internet Fazit
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Rezension
Hintergrund

Fazit:

Mit Vietcong bereitet Illusion Softworks/Pterodon im Vertrieb von Take2 dem Spieler die momentan ultimative Vietnam Erfahrung. Dieser Shooter zeichnet sich durch eine unglaublich echt wirkende Atmosphäre aus. Die Einsätze in Vietnam, als Angehöriger einer Spezialeinheit, gehen unter die Haut und nach dem Spiel hat man irgendwie das Gefühl wirklich dabei gewesen zu sein. Grafik, Animationen, Waffenwirkungen, Sound und Missionsdesign sind voll gelungen und fügen sich harmonisch zu einem Gesamtkunstwerk zusammen. Dieses mit Hingabe und Leidenschaft entwickelte Spiel ist ein Meisterwerk und ein Meilenstein in der Geschichte der "Realen Shooter". Ein ganz großes Dankeschön an alle daran beteiligten Personen und bitte: macht eine Fortsetzung! Vietcong hat einen Suchtfaktor von 100%! 



Rezension:

Lassen Sie sich auf gar keinen Fall die Einführung von Vietcong entgehen! Die vier Übungen im Drillcamp sind unvergesslich, werden Sie doch vom übelsten Drill-Sergeant der je in einem Computerspiel sein Unwesen trieb herum kommandiert. Wobei "kommandiert" sicher nicht das richtige Wort ist, denn was dieser Typ so aus den Lippen fallen lässt ist auf gar keinen Fall mehr jugendfrei - und dabei hält sich die deutsche Übersetzung noch einigermaßen zurück. Fest steht, dieser Typ wird sicher Kultstatus erreichen, wobei ich mir kaum vorstellen kann, das er in der US-Version genauso viel "Gas" geben wird, denn in den prüden Staaten würde man dann nur noch dieses gewisse "Zensur-Piepen" hören können....   

Schon sind wir auch beim ersten Kritikpunkt dieses Spiels: Alle gesprochenen Texte sind in englisch und deutsche Übersetzungen liegen nur in Untertiteln vor. Ich frage mich einmal mehr, warum  es die Publisher nicht für nötig halten den zweitgrößten Markt für Computerspiele (=Deutschland) mit sauber lokalisierten Spielen zu versorgen. Natürlich kosten Sprachaufnahmen Geld, aber auf der anderen Seite ist dieses Spiel ja auch kein Billigtitel, sondern ein Vollpreisprodukt. Da Computerspiele im Allgemeinen nach der Euroeinführung wesentlich teurer geworden sind, hat der zahlende Kunde m.M. nach ein Recht auf ein vollständiges Produkt - und dazu gehören auch Sprachaufnahmen in der Muttersprache des Landes. In diesem Falle fehlen also eindeutig gesprochene deutsche Texte, das wirkt sich in einigen Missionen auch negativ aus, da man dort schlicht vergessen hat die Untertitel einzublenden.... Die englische Sprache trägt immerhin zu einem realistischen Hintergrund bei, was aber keine Entschuldigung sein darf.  

Als Mitglied einer Special Forces Einheit beginnt der Spieler ( Hawkins) die Kampagne in einem abgelegenen Lager nahe der kambodschanischen Grenze. Dieses Lager ist Ausgangspunkt für alle weiteren Einsätze, die allesamt sehr realistisch gelungen sind und den Spieler vom ersten Moment an in ihren Bann ziehen. Die grandiose Grafik ist umwerfend wirklichkeitsgetreu, was ebenfalls auf die Charaktere zutrifft. Die Charaktere sind Hawkins Kampfgefährten, welche einem wirklich im Laufe der Kampagne ans Herz wachsen. Jeder hat seine Eigenarten und seinen eigenen Kampfstil. Egal ob im tiefsten Dschungel, in Tunnelanlagen des Vietcong, in Sümpfen - egal ob am Tage oder in der Nacht - ob zu Lande oder in der  Luft im Hubschrauber - immer gelingt es dem Spiel die jeweilige Atmosphäre gekonnt einzufangen. Das ist schier unglaublich und schraubt den Suchtfaktor für dieses Spiel in die höchsten Höhen. Nach einer erfolgreich abgeschlossenen Mission fiebert man geradezu seinem nächsten Einsatz entgegen. Wohin wird es einen diesmal verschlagen? Immer muss man voll auf der Hut sein, denn im Dschungel und auch in Tunneln, lauern nicht nur gut getarnte kommunistische Kämpfer, sondern auch allerlei üble Fallen. Sprengfallen, Punji-Fallen mit angespitzten Holzpflöcken und Fallgruben können dem Spieler zum Verhängnis werden. Der Kundschafter Nhut weist meist den Weg und entdeckt zumeist die Fallen, aber er ist ja nicht immer dabei. Jeder Charakter des Einsatzteams hat besondere Fähigkeiten: Arzt, Techniker, Kundschafter, MG-Schütze usw.., so dass alle zusammen eine kampfstarke Truppe abgeben. Zum Glück muss man diese Mannen nicht rum kommandieren, sondern kann sie zu sich rufen. Das reicht auch völlig aus, denn sonst hätte man ja kaum noch Zeit zum Kämpfen gehabt. 

Und das Kämpfen bringt nun wirklich einen enormen Spaß. Alle vorkommenden Waffen - und es sind viele - sind akurat umgesetzt worden. Natürlich kann man erledigten Feinden ihre Waffen abnehmen und sie durchsuchen, so dass bei Munitionsknappheit einfach eine neue Waffe genommen werden kann. Mir persönlich gefällt die AK-47 richtig gut, aber das ist Geschmackssache. Neben dem Einsatz von Handfeuerwaffen (Pistolen, Revolvern, MP´s und Gewehren) können auch Handgranaten geworfen oder C-4 Sprengstoff platziert werden. Weiterhin steht manchmal Luftunterstützung und Artillerie bereit, wobei die Koordinierung über die Karte etwas fummelig ist. Die Kämpfe sind stets extrem spannend, ja oft geradezu nervenaufreibend. Sie schleichen durch den Dschungel und plötzlich rattert eine AK-47 los, so dass ihnen die Kugeln nur so um den Kopf fliegen. Danach wieder absolute Stille. Man sieht nichts.... Verdammt noch mal wo das her? Wo sitzt der VC? Sieht er mich noch? Alle diese Dinge rasen einem durch den Kopf, während man versucht sich in Deckung zu legen und nach dem Schützen zu spähen. 

Je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad stehen eine gewisse Anzahl von Speicherplätzen zur Verfügung. Im härtesten Schwierigkeitsgrad, bezeichnender Weise "Vietnam" genannt, dann gar keine mehr. Das Spiel ist in normalen Schwierigkeitsgrad sicher an einem Wochenende zu bewältigen, wenn man ununterbrochen spielen kann. Das mag etwas kurz sein, dafür bekommt man aber im Gegensatz zu anderen Spielen eine volle Packung "Vietnam". Ich persönlich habe es jedenfalls nicht bereut mir dieses Spiel gekauft zu haben. Außerdem ist ein Mehrspieler - Modus mit dabei und man kann an Sofort-Gefechten gegen den PC teilnehmen. Leider gab es auch ein paar Grafikfehler (sieht schon lustig aus, wenn einige Soldaten hoch oben in der Luft rumlaufen....) und sogar zwei Abstürze. Weiterhin sind die Missionen so stark vorgegeben, das man kaum Freiheiten hat, die Missionen nach seinem Gutdünken zu absolvieren. Das geht hin bis zu echten Ungereimtheiten (Bsp.: Befreiung des POW - ich klicke aus einiger Entfernung auf die Käfigtür und eine Erfolgsmeldung erscheint. Danach wird der POW aber erschossen und die Mission ist nicht geschafft.) Das verwirrt einen manchmal schon, man muss also dichter an der Tür stehen, sie öffnen, warten bis der POW herauskommt und dann stimmt die Sache.... Mit Sicherheit überwiegen aber die positiven Dinge bei Vietcong bei Weitem, so dass ich trotz dieser Mankos von dem Spiel extrem begeistert bin. Spieler, welche gerne realistische Shooter spielen, werden auf alle Fälle von Vietcong hingerissen sein. 


Hintergrund:

Vietcong behandelt, m. M. nach ein in Spielen bislang zu wenig beachtetes historisches Szenarium, nämlich den Krieg in Vietnam. Es wundert daher auch nicht, das es kein amerikanisches Programmierteam war, das sich dieser Thematik für einen "Realo-Shooter" angenommen hat, sondern eines aus dem ehemaligen Ostblock - genauer gesagt aus Tschechien. Unterschwellig geht es bei Vietcong, ähnlich wie bei Operation Flashpoint, auch um eine Abrechnung mit dem menschenverachtenden System des Kommunismus. Ein verständliches Bedürfnis für Menschen, die jahrelang in einem derartigen System leben mussten. Dennoch ist Vietcong kein "politisches" Spiel, die meisten Spieler werden die diesbezüglichen Andeutungen wohl auch gar  nicht wahrnehmen. Die Kampagne des Spieles handelt von einer Special Forces Einsatzgruppe, die mit den Bergstämmen in Vietnam gegen die Kommunisten kooperierten. Dies basiert ohne jeden Zweifel auf Tatsachen, allerdings wird das bittere Ende dieses Konfliktes nicht behandelt. Nach Abzug der Amerikaner waren diese Bergstämme der unbarmherzigen Rache der kommunistischen Sieger ausgesetzt. Erschwerend für die ehemaligen Verbündeten der USA kam hinzu, das die Amerikaner sämtliche Listen mit den Namen der mit den USA kooperierenden Vietnamesen in Vietnam unzerstört zurück ließen. So fielen nahezu alle diese Personen in die Hände der Vietcong, was ihr qualvolles Ende bedeutete. Das Spiel stellt auch Szenen nach, die tatsächlich vorgekommen sind (Bsp.: Ein von Vietcong niedergebranntes Dorf eines der Bergstämme), allerdings wird in keinerlei Form auf Vergehen des US-Militärs eingegangen, welche ja auch zahlreich vorgekommen sind. Sicherlich kann es nicht Sinn und Zweck eines Spieles sein auf derartige Geschehnisse einzugehen, zumindest hätte ich aber im Handbuch eine objektivere Betrachtung dieses schrecklichen Konfliktes erwartet. Dieser Krieg, der seitens der USA nie offiziell erklärt wurde, forderte unsagbar viele Opfer und zwar hauptsächlich unter der Zivilbevölkerung. Opfer an denen heute alle Beteiligten noch leiden. Kaum ein anderes modernes Thema eignet sich so sehr dazu, die Sinnlosigkeit eines Krieges darzustellen. In gewisser Weise wird Vietcong diesem Anspruch aber letztlich mit der Schlussequenz dennoch gerecht. 


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